Fazit China

China ist ein faszinierendes Land. Ich habe in den 11 Tagen extrem viel gesehen und erlebt. Mir ist bewusst, dass man hier auf Grund der Grösse des Landes noch viel längere Zeit hätte verbringen können und ich eigentlich nur an der Oberfläche gekratzt habe. Trotzdem habe ich einen guten Eindruck über Land und Leute bekommen. Dass die National-Feiertage genau während meinem Aufenthalt waren war ein riesen Pech. Es wundert mich, dass man mich im Reisebüro nicht darauf aufmerksam machte. Offensichtlich fehlt es hier noch etwas an der China-Expertise. Der Auflauf der Menschenmengen war für mich mühsam und anstrengend. Es hat mein Bild von China aber nicht eingetrübt, denn ich sehe es einfach als eine Seite, die auch zu China gehört und die ungeheure Bevölkerungsmasse des Landes aufzeigt.
Meine Begegnungen mit den Menschen war sehr positiv. Sie sind sehr aufgeschlossen, hilfsbereit und machen mir einen zufriedenen Eindruck. Ich glaube die Chinesen fühlen sich sehr frei in ihrem Denken und Handeln. Auch Bettler sieht man angesichts der Grösse der Städte kaum. Vorher eröffnet man hier einen eigenen Lebensmittelverkaufsstand, bevor man betteln geht. Es war für mich oft schwierig zu verstehen, wie sie organisiert sind. Im Strassenverkehr herrscht meist der Vortritt des Stärkeren, Fussgänger überqueren überall die Strassen, Lichtsignale werden weitgehend ignoriert (die hätte man sich hier auch sparen können). In der Metro sind zwar Pfeile am Boden, welche signalisieren, dass man seitlich der Türen warten und die austeigenden Passagiere zuerst aussteigen lassen soll. Für uns selbstverständlich, hier unmöglich. Aber trotzdem scheint hier alles irgendwie zu funktionieren. Die Züge waren immer sauber und extrem pünktlich, Unfälle im Strassenverkehr habe ich keine beobachtet und die Kriminalität ist tief, so dass ich mich auch nachts ohne Bedenken bewegen kann.
Was eine Zeitbombe sein wird ist die Gewässer- und Luftverschmutzung. In Shanghai ist das offensichtlich ein weniger grosses Problem als in Peking. Da bin ich gespannt, ob sie das jemals in den Griff kriegen werden. Zumindest fahren heute bereits die meisten Roller mit Elektroantrieb herum. Mir erzählte ein Chinese, dass in Xian auch eine extrem schlechte Luftqualität herrsche und viele Leute nun deswegen einfach in eine andere Stadt ziehen.
China befindet sich immer noch in einem rasanten Veränderungsprozess. Es bekommt immer mehr zu einem der einflussreichsten Länder für weltpolitische und wirtschaftliche Angelegenheiten. Das Umweltproblem müssen sie aber lösen, sonst ziehen sie sich vorher selber den Teppich unter den Füssen weg. Ich werde die Weiterentwicklung auf jeden Fall weiter mitverfolgen…
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Shanghai

Die Hafenstadt Shanghai ist mit 25 Mio. Stadtbewohner wohl die grösste Stadt Chinas. Nördlich der Stadt mündet der über 6400 km lange Jangtse Strom ins Meer. Shanghai ist im Gegensatz zu Peking eher eine moderne Geschäftsstadt. Im neueren Stadtteil Pudong türmen sich die Wolkenkratzer. Der Shanghai Tower, welcher sich noch bis 2014 im Bau befindet, wird mit einer Höhe vom 632 m wieder eine neue Rekordmarke der Shanghai Skyline setzen. Imposant wird die Skyline erst richtig, wenn es dunkel wird und die Lichter der Stadt angehen. Vom Bund, der Uferpromenade des Huangpu-Fluss, oder noch besser auf einer nächtlichen Schiffstour auf dem Fluss kriegt man einen tollen Anblick auf die Skyline.
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Das Shanghai World Finacial Center (Flaschenöffner / 492m), der Jin Mao Tower (420 m) und der bald fertig gestellte Shanghai Tower (632 m).
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Der symbolische Oriental Pearl Tower (468 m).
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Es gibt hier aber auch ein altes Stadtviertel (Puxi), in welchem noch viele alte Holzhäuser stehen. Die prominente Shoping-Meile von Shanghai ist die Nanjing Road. Diese war zu der Zeit als ich da war völlig überfüllt.
Insgesamt war ich nur 2 gute Tage hier in Shanghai, denn es war sozusagen der Ausgangspunkt für den Ausflug nach Huangshan. Als ich vom Huangshang Gebirge zurück kam, machten sich zum ersten mal Erschöpfungserscheinungen bei mir bemerkbar. Der wenige Schlaf der letzten Tage, die vielen Leute, die Kilometer zu Fuss und die ununterbrochene Flut von neuen Eindrücken haben mich müde gemacht und ich musste einfach mal einen Tag richtig ausschlafen und neue Energie tanken. 🙂
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Nanjing Road – hier war man nicht alleine 😉
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Die Nanjing Road bei Nacht

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Yuyuan-Quartier in der Altstadt
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Der Internationale Flughafen Shanghai Pudong, von dem ich meinen Abflug nach Japan hatte, liegt eine gute Stunde ausserhalb der Stadt. Auf dem Weg dort hin erwartete mich ein weiteres Zückerchen, welches ich mir als Technik-Freak nicht entgehen liess. Vom Stadtrand her kann man statt der Metro auch die Magnetschwebebahn Maglev zum Flughafen benützen. Diese wurde von Deutschland entwickelt und befindet sich immer noch in einem Pilotbetrieb, um Erfahrungen für einen möglichen weiteren Ausbau zu sammeln. Die Maglev beschleunigt in den Stosszeiten auf der 30 km langen Strecke auf 430 km/h und bremst danach wieder ab. Bei mir war offensichtlich keine Rushhour, die Bahn war praktisch leer und ich musste mich mit 300km/h begnügen. Schade, ich wäre gerne mal 430 Sachen zum Flughafen gebrettert. Aber das Erlebnis wars wert und dafür auch noch ein bisschen länger.
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Suzhou

Auf dem Rückweg von Huangshan nach Shanghai entschied ich mich bereits etwas früher den Zug zu verlassen, um mir Suzhou anzusehen. Suzhou (man spricht das irgendwie aus wie ‚Schuschuu‘) ist eine Stadt nordwestlich von Shanghai, welche (zumindest die Innenstadt) aus trationellen Bauten, Tempeln und durchquerende Kanälen besteht, und daher auch Venedig des Ostens genannt wird.

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Immer wieder sieht man Heiratspaare, welche sich für aufwändige Foto-Sessions in Pose setzen. Fotos scheinen für die Chinesen generell von zentraler Bedeutung zu sein.

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Hühnerfüsse sind nach wie vor eine beliebte Delikatesse. Wie es schmeckt, verrate ich nicht 😀

Huangshan Gebirge

Tja, der Ausflug in die Huangshan Berge, oder Yellow Mountains, wie sie in Englisch genannt werden, das war vielleicht eine Geschichte! Wie kam ich dazu? Vor einigen Monaten während der Vorbereitung meiner Reise stiess ich per Zufall im Google Earth auf eines der Bilder dieser spitzigen Bergen, mit Nebel umschwungen und knorrigen Kiefern bestückt. Davon war ich sehr angetan und ich sagte mir, da will ich hin! Ich investierte einige Zeit und recherchierte, wo sich die Berge genau befinden und was für Möglichkeiten es gibt, um dorthin zu kommen. Der Ort liegt etwa 600 km südwestlich von Shanghai. Für chinesische Verhältnisse also einen Katzensprung. Es gab auch ein von der Schweiz her arrangierter Ausflug dorthin, welcher ich hätte buchen können, dieser war mir aber viel zu teuer. Also legte ich im Vorfeld das Datum fest und buchte den Nachtzug von Shanghai nach Huangshan übers Internet. Als Ausländer kann man das über eine Agentur im Internet machen. Die Zugtickets sind hier immer auf einen Ausweis gebunden, somit muss man bei der Bestellung vom Ausland eine Kopie des Passes mitschicken. Die Zugtickets habe ich mir dann an mein Hotel in Peking ausliefern lassen. Alles hat bestens funktioniert, bis auf eine Kleinigkeit. Für den Hinweg konnte man mir leider keinen Platz im Schlafwagen sichern. Mangels Alternativen habe ich mich dann halt für einen Platz im normalen Sitzabteil entschieden. Die 12-stündige Fahrt dorthin war dann auch entsprechend mühsam. Ich habe kaum geschlafen. Der Zug war auch komplett voll. Dies gab mir schon eine vermutende Vorahnung, was sich hier anbahnte. Ich wusste ja, dass am 1. Oktober der chinesische Nationalfeiertag ist. Was ich aber nicht wusste, ist dass die Tage danach bis zum kommenden Wochenende in ganz China Public Holidays sind und alle Chinesen in irgendwelche Städte oder andere beliebte Ausflugsziele reisen. Das habe ich bereits in Shanghai in Form von komplett überfüllten Strassen und Metrostationen zu spüren bekommen. Das Ausmass dieses Umstands kann man sich kaum vorstellen.
Am nächsten Morgen in Huangshan angekommen, musste ich nochmals eine Stunde Busfahrt auf mich nehmen, der einem in die Scenic Area bringt. Dort herrschte bereits grosses Verkehrschaos. Unzählige Kleinbusse und Reisecars stauten sich vor dem Ortseingang. Danach musste ich meine Herberge kontaktieren, damit sie mich abholen kommen. Das hiess, nochmals durch das Verkehrchaos durch. So verflog die Zeit mit Transport- und Wartezeiten, dabei wollte ich eigentlich bereits heute in die Berge. Aber dazu brauchte es nochmals eine erneute Busfahrt, welche einem an die Luftseilbahn brachte. Dort war ich dann erst um gegen 15:30 angekommen. Ich entschied mich auf Grund der fortgeschrittenen Tageszeit nicht mehr die Gondel zu nehmen, sondern einfach mal den Fussweg nach oben in Angriff zu nehmen. Doch das machte kein Spass, denn der ganze Menschenstrom kam mir entgegen und man kam kaum forwärts. Frustriert und todmüde kehrte ich in meine Unterkunft zurück. Gesehen habe ich nichts ausser abertausende chinesische Touristen. Wayne, der Betreiber der Lodge, munterte mich mit einem feinen Essen und einem kühlen Bier wieder auf. Er ist zwar Chinese, lebte aber lange in den USA, so hatten wir uns einiges zu erzählen. Er sagte mir, dass sich nun während den Feiertagen rund 10 mal so viel Leute in diesen Bergpfaden rumtummeln als sonst, es dürften gegen die 50 Tausend sein. Damit ich am nächsten Tag dann doch noch etwas von der Szenerie mitbekomme, schlug er mir einen Plan für den nächsten Tag vor. Dies hiess dann um 4 Uhr aufstehen, frühstücken, Transport zum Busterminal, Anstehen für Ticket, Busfahrt zur Seilbahn, Anstehen für Ticket, Anstehen für Seilbahn, usw. Für die Seilbahn bin ich glatte 3,5 h angestanden. Ich war ein paar mal kurz davor die Übung abzubrechen, denn das Gedrängle und das laute Geschrei der Chinesen war einfach nur mühsam und nervig. Ich hielt aber durch und schaffte es bis 10 Uhr nach oben. Endlich! Ich habe es geschafft. Auch dort war das forwärts kommen auf den teils schmalen Pfaden nur im langsamen Tempo in den Menschen Kolonnen möglich. Aber mit dem einzigartigen Panorama und dem prächtigen Wetter was sich dort präsentierte, vergass ich die vergangenen Stunden und genoss jede Sekunde. Auf dem ersten Gipfel angekommen sagte ich mir, wenn ich im vorherein gewusst hätte, wie mühsam sich dieser Weg hier her gestalten würde, hätte ich das nie und nimmer gemacht, aber jetzt bin ich hier. Und ich erinnerte mich an Bernhard’s Worte: It’s once in a lifetime! Und das war es wirklich.
Um 12 Uhr musste ich bereits wieder den Rückweg ins Tal einschlagen, damit ich es wiederum rechtzeitig auf den Nachtzug schaffe. Somit habe ich leider nur einen kleinen Teil dieses Gebiets gesehen, aber es war trotzdem genial. Was für ein Tag!

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Anstehen ohne Ende..

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Seilbahn zu den Gipfel
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Endlich oben!
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Manchmal brauchte es Gottvertrauen in die chinesische Baukunst
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Peking

In Peking hat es mir sehr gut gefallen. Man erlebt hier das traditionelle China, wie man es von den Bilder her kennt. Um mein Hotel zu finden musste ich mir zuerst von einem Tourist-Office die englische Adresse des Hotels auf Chinesisch übersetzen lassen. Ansonsten hat man keine Chance. So konnte ich nach verlassen der nächst gelegenen Metrostation immer wieder Leute nach dem Weg fragen. Die Leute sind hier extrem hilfsbereit, auch wenn man gegenseitig kein Wort versteht. Ich bin schon vor Monaten im Internet auf dieses Hotel gestossen, welches im traditionellen Stil gebaut und eingerichtet ist. Ich war also sehr gespannt. Es liegt im Stadtteil Dongsi. Dieses Viertel ist bestückt mit allerlei kleinen Strassenläden, Coiffeur Salons und Restaurants. Und das Hotel ist wirklich der Hammer. Es liegt versteckt in einer der zahlreichen schmalen Seitengassen. Nicht schlecht gestaunt habe ich, als mich ein Beo bei der Eingangspforte mit „Ni Hao“ begrüsste. Dass er nich gerade noch Hello Mr. Gartner krächtste, hätte mich nicht mehr gewundert 😉
Hier noch ein paar Impressionen von diesem Hotel. Dieses kann ich nur weiter empfehlen, das Personal ist super freundlich, das Essen ist sehr gut, und teuer ist es auch nicht.

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In den vier Tagen hier habe ich mich weitgehend an die Touristenattraktionen begeben, hatte mir aber auch Zeit genommen einfach durch die Gassen und Parkanlagen zu gehen und Sachen zu entdecken. Hier hätte ich noch viel mehr Zeit verbringen können, denn es gibt so viel Interessantes zu sehen.

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Wie man auf den Fotos unschwer erkennen mag, liegt in dieser Stadt ein unglaublicher Smog. Manchmal sah man keine paar hundert Meter weit. Sicherlich war da auch noch ein bisschen Dunst dabei, aber es ist schon bedenklich.

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Eigentlich wäre schönes Wetter gewesen, aber die Sonne kommt nicht durch den Smog.

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An das Essen mit Stäbchen habe ich mich bereits gewöhnt und die wichtigsten Knigge für China gelernt (wie z.B. die Stäbchen nach dem Essen nicht im Reis stecken lassen). Manchmal war ich mir auch nicht mehr ganz sicher was ich esse, geschmeckt hats aber immer. Die Chinesen haben für unser Verständnis eher schlechte Manieren. Es wird gedrängelt, geschubst und überholt beim Anstehen (das vor allem von Frauen) und immer wieder lautstark auf den Boden gespuckt (das vor allem von den Männern). Und beim Essen werden alle mögliche Laute von sich gegeben. 🙂

In der Parkanlage vom Himmelstempel versammeln sich die Leute und spielen Brettspiele, Singen, Tanzen oder machen Tai-Chi. Ein älterer Mann jonglierte mit Stoffringen. Weil ich ihm zuwinkte warf er mir aus einiger Distanz einen Ring zu, den ich spontan fing. Das hat ihm gefallen und er warf mir einen nach dem anderen zu. Und ich fing sie mit dem Kopf auf. Immer mehr schaulustige Chinesen versammelten sich um uns herum und applaudierten bei jedem gefangenen Ring. Am Schluss der Vorstellung war ich von einem Dutzend Chinesen umgeben und jeder wollte von mir ein Foto haben. Das waren ein riesen Gaudi.

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Es passierte mir auch, dass ich von den Chinesen angesprochen wurde (nur Damen natürlich 😉 um mit mir als Sujet auf einem Foto zu posieren. Da kommt man sich als Europäer manchmal schon vor, als käme man von einem anderen Planeten.
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Ein weiteres Highlight war die Chinesische Mauer, oder The Great Wall. Ich buchte einen Ausflug zu einem Abschnitt bei Jinshanling, welcher etwas weiter von Peking entfernt liegt und daher nicht so mit Touristen überlaufen ist. Die drei stunden Fahrt an diesen Ort sind es auf jeden Fall wert. Dort gibt es einen  vor ca. 30 Jahren restaurierten Teil, sowie einen alten im 1570 restaurierten Teil der Mauer zu sehen. Erstellt wurde dieser Abschnitt 1368-1389 in der Ming Dynastie. Man konnte hier 3,5 h frei auf der Mauer herum wandern. Teilweise waren die Aufstiege ganz schön steil. Die Sicht war leider auch hier sehr eingeschränkt, jedoch gab es dem Ganzen einen etwas mystischen Touch. Das hat mir sehr gefallen.
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Heute ist der 1. Oktober und Nationalfeiertag in China. Jetzt wo ich den Blog schreibe sitze ich gerade im Hochgeschwindigkeitszug nach Shanghai. Auf diese Fahrt habe ich mich auch schon lange gefreut. Dieser hochmoderne Zug donnert mit 300 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit von Peking nach Shanghai und legt die Strecke von über 1300 km in 4:48 h zurück. Irgendwie ist es wie in einem Flugzeug, das am Boden fährt. Auch die Einrichtung im Wagen, ist wie in einem solchen gebaut. Der Zug fährt pünktlich auf die Sekunde und beschleunigt so sanft, dass man die hohe Geschwindigkeit kaum mitbekommt. Da ist der TGV ein altmodisches Spielzeug dagegen.
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Auf dem Weg nach Shanghai fahren wir immer wieder an Städten vorbei, bei denen neue Hochhäuser wie Pilze aus dem Boden schiessen. Irgendwo müssen die 1.2 Mrd. Chinesen ja wohnen. Nanjing zum Beispiel hat einfach mal so 6,2 Milionen Einwohner.
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