Hue

Hue war in der Nguyen-Dynastie vom 19. Jahrhundert bis 1945 die Hauptstadt Vietnams. Den Weg von Hanoi nach Hue legten wir mit einer 12 stündigen Fahrt im Nachtzug zurück. Auch Susanna gewöhnt sich allmählich an die nächtlichen Zugfahrten. Diesmal war ein englisches Pärchen bei uns in der Kabine. Ähnlich wie bei uns, war Alex auch für 3 Monate unterwegs, war auch mit der Transsibirischen gereist und seine Freundin Claire besuchte ihn für die Reise in Vietnam. Für viel Gesprächsstoff und Erfahrungsaustausch war also wieder gesorgt.
Hue liegt geographisch ziemlich zentral in Vietnam, gehörte aber politisch bereits zu Südvietnam. Aus diesem Grund wurde es durch die Gefechte vom Krieg 1968 zwischen den Kommunisten vom Norden einerseits, und den Südvietnamesen und Amerikanern andererseits, stark in Mitleidenschaft gezogen. Die historischen Bauwerke wurden allmählich restauriert. Die Zitadelle mit der Verbotenen Stadt ist vermutlich das markanteste Bauwerk aus der Zeit der Nguyen-Dynastie. Wir erkundeten die Stadt erst zu Fuss, dann mit dem Fahrrad, am letzten Tag mit dem Motorrad. Das Fortbewegen im Verkehr wird uns immer vertrauter. Man muss einfach mit der Masse von Mopeds und Velos mitfahren und immer gut auf einbiegende oder auf der eigenen Spur entgegenkommende Verkehrsteilnehmer achten.
image
Helloween in Vietnam
image
image
image
image
image
In der verbotenen Kaiserstadt
image
Thien Mu – Buddhistischer Tempel
image
Bahnübergang

Halong Bay

Die Halong Bucht mit ihren bizarren Felsformationen ist Weltkulturerbe und vermutlich die bekannteste Touristenattraktion im Norden Vietnams. Unzählige Organisationen in Hanoi bieten mehrtägige Schiffstouren in der Bucht an. Trotz der Beliebtheit bei den Touristen ist die Halong Bay ein einmaliges Must-See Erlebnis. Wir verbrachten 2 Tage auf einem Schiff mit ca. 20 Touristen aus aller Welt, wie Irland, China, Hongkong, Neuseeland. Auf dem Schiff herrschte eine familiäre Atmosphäre. Die 11 köpfige Crew war ständig um unser Wohl besorgt, die Kabine war komfortabel und das reichliche Essen schmeckte sehr gut. Das Programm war ausgefüllt mit vielen Aktivitäten, wie Besichtigung einer Tropfsteinhöhle, Baden an einem Strand, Kayak fahren, einem Frühlingsrollen-Crashkurs oder Thai-Chi am frühen Morgen. Zwischendurch konnte man es sich auf dem Deck mit einem Bierchen gemütlich machen und die bezaubernde Insel Landschaft bewundern.
image
Anfahrt zu unserem Boot
image
Innen fanden wir zu unserem Erstaunen eine richtige Luxus-Kajüte
image
Aussicht auf von einem Felsen auf eine der Buchten
image
image
image

Sapa

Mit dem Nachtzug gingen wir für drei Tage in das im Norden Vietnams liegende Bergdorf Sapa. Der Zug war ein richtiger Schüttelbecher, deshalb haben wir nicht wirklich viel geschlafen. In unserem Abteil im Zug war ein vietnamesisches Paar mit ihrer sechsjährigen Tochter. Die Familie konnte praktisch kein Englisch, aber mit unseren Übersetzungstools begann bald eine rege Konversation und der Mann hörte fast nicht mehr auf uns Fragen zu stellen. Er konnte nicht begreifen, warum wir keine Kinder haben. Sapa selbst liegt auf 1600 m. Um dorthin zu gelangen braucht es vom nächstgelegenen Bahnhof nochmals eine stündige Fahrt mit dem Bus. Susanna hat uns einen super Preis für den Transport mit dem Kleinbus ausgehandelt. Sie macht das sehr geschickt, ja nicht blind zahlen was einem so offeriert wird. Wir haben dann aber nicht schlecht gestaunt, als wir von einem in Vietnam lebenden Amerikaner, der auch mitfuhr, erfuhren, dass er nochmals die Hälfte weniger bezahlt hat als wir. Nun, geschmerzt hat es uns nicht, denn wir sprechen hier von umgerechnet 2 SFr für die stündige Fahrt, aber wir kriegen allmählich das Gefühl dafür, wieviel wir hier für solche Sachen bezahlen müssen.
Sapa ist ein sehr interessanter Ort. In dieser Region leben verschiedene Bergstämme mit verschiedenen Sprachen und Traditionen. Im ganzen Gebiet sind Reisterrassen angelegt. Der Ort Sapa gilt als wichtiger Marktplatz, wo die Bergvölker zusammenkommen und ihre Waren anbieten und austauschen. Am zweiten Tag haben wir eine geführte ganztägige Trekkingtour durch die Bergregion gemacht. Wir hatten Glück, das Wetter war nach dem regnerischen Vortag wieder wunderprächtig und angenehm von der Temperatur her. Unser 17-jähriger Tourguide ist selbst auch ein lokal Ansässiger und erzählte uns allerhand Interessantes über das Leben hier. Immer wieder wollte er mit Susanna Französisch sprechen, um seine Französischkenntnisse aufzubessern, was mich nur mässig begeisterte 😉 Die Aussichten über die Reisterrassen waren wunderbar, obwohl der Reis im August geerntet wurde, und dadurch die Farben nicht so leuchtend grün waren, wie man das oft auf Bildern sieht. Am nächsten Tag gönnten wir uns den Spass und mieteten einen Roller, um in den Passstrassen rum zu kurven und Wasserfälle zu besichtigen. Unterwegs haben wir uns zu einer Gruppe Einheimischer dazugesellt, die gerade in ihrem Unterstand Essen auf dem Grill hatten. Die hatten sehr Freude an unserem Besuch und offerierten uns Reisschnaps, Tee und Eier. Verständigt haben wir uns vorwiegend über Zeichensprache. Unser Geld wollten sie nicht annehmen, wir waren ihre Gäste. Immer mehr finden wir gefallen an dem noch etwas wilden und ursprünglichen Land und erkennen, dass es hier sehr viele unkomplizierte Möglichkeiten gibt sich fortzubewegen und mit den Menschen in Kontakt zu kommen.
image
Junge Frauen der Bergstämme kommen nach Sapa um den Touristen ihren Stickereien zu verkaufen
image
Markt in Sapa
image
Im ganzen Tal sind Reisfelder angebaut
image
Unsere treuen Begleiterinnen
image
image
Vielfältiges Mittagessen, auch vegetarisch.
image
Reisterrassen
image
image
Wer ist hier stärker?
image
Indiana Jones
image
Fahrt mit dem Motorroller
image
Besuch bei Einheimischen
image
Aussicht von der Passhöhe
image
Tinh Yeu Wasserfälle
image

Hanoi

In Hanoi treffe ich nach 6 Wochen Reisezeit meine Frau wieder. Susanna flog über Katar und Bangkok nach Hanoi und ich von Tokio über Guangzhou. Alles hat geklappt und die Freude auf das Wiedersehen war natürlich gross. Nun können wir zu Zweit das für uns beide noch fremde Vietnam entdecken. Die Umstellung von Japan bzw. Zürich nach Vietnam brauchte erst mal etwas Zeit, um den Kulturschock zu verdauen und sich an die neuen Gegebenheiten zu gewöhnen. Hier herrscht auf den Strassen das pure Chaos. Das ist zumindest der erste Einruck, erst mit der Zeit realisiert man, dass es auch hier irgendwie funktioniert, halt eben anders. Das ist ja auch das Spannende am Reisen, sich immer wieder mit neuen Gegebenheiten auseinanderzusetzen. Die Altstadt, wo wir auch unser Hotel hatten, wird geflutet von Rollern. Beim Überqueren der Strasse braucht es am Anfang viel Mut. Man muss einfach trotz dem permanent fliessenden Verkehr zum Überqueren ansetzen und gleichmässig gehen. Die vielen Roller weichen dann links und rechts von einem aus und umschliessen dich, wie in einem Fischschwarm. Vietnam ist ein vergleichsweise armes Land. Die Leute haben zwar genügend zu essen, aber natürlich wird alles Mögliche versucht, dem reichen Touristen irgend etwas zu verkaufen. Sei es Seidenstoffe, Handarbeiten, Kleider oder eine Fahrt mit der Ritscha. Da die Preise für unsere Verhältnisse hier sehr niedrig sind, fällt es einem richtig schwer, die Preise noch weiter zu verhandeln. Trotzdem sollte man es machen. Man wird erstaunt sein, dass man mit ein bisschen Hartnäckigkeit und einem Lächeln oft nochmals 50% Preisnachlass erhält. Das Leben findet hier vor allem auf der Strasse statt: hier wird gekocht, gegessen, die Haare geschnitten und mit den Kindern gespielt. Die Spaziergänge durch die lebhaften Strassen Hanois haben uns viel vom Alltag der Stadtbewohner gezeigt. Auch die Besichtigung eines ehemaligen Gefängnisses, welches in der Kolonialzeit von den Franzosen erbaut wurde, das Wasser-Puppentheater, und der Besuch des Frauenmuseums gaben uns einen guten Einblick in die Geschichte und die Kultur des Landes. Die fleissigen Frauen spielen hier durch die Erziehung der Kinder, ihre Kochkünste, ihrer Bekleidungen und ihre Unterstützung der Männer im Krieg eine wichtige kulturelle und politische Rolle.
image
image
image
Hoan Kiem See
image
image
image

image
image
Den jungen Panda Bär habe ich aus dem Zoo in Tokio entführt. Er wird nun mit mir bis in die Schweiz mitreisen und will zu Askja, meinem neuem Göttimeitli.

Fazit Japan – Sayonara Nippon

In den 2 Wochen habe ich einen guten Mix zwischen dem traditionellen und dem modernen Japan zu sehen bekommen. Die Kultur und der Lebensstil der Japaner hat mich sehr beeindruckt. Ich bin erstaunt wie ordentlich und diszipliniert die Japaner leben und wie respektvoll sie miteinander umgehen. Dies bringen sie z.B. bei der Begrüssung, Verabschiedung oder Bedankung durch ihre Verbeugung zum Ausdruck. Klar, ich hatte jetzt den direkten Vergleich zu China, aber auch wir Europäer könnten noch einiges von den Japanern lernen. Ich hatte den Eindruck, sie sind eher etwas reserviert und man muss aktiv auf sie zugehen, damit man ins Gespräch kommt. Halt etwas ähnlich wie bei uns Schweizer auch 😉
Japan ist ein hoch entwickeltes Land, alles funktioniert hier perfekt. Durch die Vertrauenswürdigkeit und die sehr tiefe Kriminalität hat man hier eine sehr hohe Lebensqualität. Abgesehen von den Erdbeben und Taifuns, welche immer wieder für eine unangenehme Überraschung sorgen können. Japan trumpft vielleicht nicht gerade mit den spektakulärsten Sehenswürdigkeiten auf, bietet aber sehr viele schöne Orte und tolle Ausflugsmöglichkeiten, die man entdecken kann. Es herrscht grundsätzlich eine ruhige entspannte Atmosphäre. Partymeilen sucht man hier vergeblich, selbst in den lebendigen Strassen von Tokyo kehrt zu später Stunde eine erstaunliche Ruhe ein. Das Reisen mit dem Zug macht hier echt Spass und ist vermutlich die beste Option sich fortzubewegen.
Das Essen war für mich hier bis anhin das Beste. Wenn man gerne Fisch, Sushi, scharfe Speisen oder Nudeln hat, kommt man hier voll auf seine Kosten. Alles wird ganz frisch zubereitet. In den Restaurants sind die Küchen offen, und oft kann man dem Koch zusehen, wie er die Speisen zubereitet. Vermutlich sind meine persönlichen Eindrücke nicht jedermanns Sache. Auf jeden Fall hat es mir sehr gefallen. Das Land birgt schon ein gewisses Suchtpotential. Ich denke, ich werde Japan bestimmt wieder mal besuchen…

image

Tokio

Die letzten beiden Tage in Japan werde ich noch in Tokio verbringen. Natürlich könnte man in Tokio ohne Weiteres eine Woche oder länger verbringen. Ich wollte aber möglichst viele verschiedene Seiten von Japan sehen, deshalb fällt der Aufenthalt in Tokio halt etwas kurz aus. Auf dem Weg nach Tokio fährt man in der Nähe des Mount Fuji vorbei, der höchste Berg bzw. Vulkan Japans. Wenn ich noch mehr Zeit in Japan gehabt hätte, wäre das Wandergebiet um den Mt. Fuji bestimmt auch einen Aufenthalt wert gewesen.
image
Der Blick aus dem Fenster auf den Mount Fuji (3776 m)

Die „Östliche Hauptstadt“, was der Name Tokyo bedeuted, zählt 9 Mio. Einwohner. Zählt man die umliegenden Bezirke dazu, sind es 30 Mio. Einwohner. Wie riesig die Stadt ist, bemerkt man gut während der langen Zugfahrt ins Zentrum. Meine Unterkunft liegt im Stadtteil Ueno. Von hier aus sind einige Sehenswürdigkeiten in Kürze erreichbar.
image
image
image
image
Im Stadtviertel Akihabara, auch Electronic City genannt, werden alle mögliche Elektronik Sachen und Computerteile verkauft. Die Strassenzüge werden von den unzähligen blinkenden Leuchtreklamen aufgehellt. Hier ist auch das Mekka der Anime und Manga Szene zu finden.
image
Unweit von Bahnhof Ueno befindet sich ein lebhaftes Restaurant Quartier. Viele Leute gesellen sich hier zum Essen und Trinken.

image
Interessant wie hier Traditionelles und Modernes zusammen liegen. Zum einen der Senso-ji Tempel, zum anderen der Tokyo Sky Tree im Hintergrund, das mit Abstand höchste Gebäude Tokios.
image
image
image
Der Senso-ji ist der älteste Tempel von Tokio. Hier tummeln sich die Touristen aus der ganzen Welt. Schweizer habe ich während meines Japan Aufenthalts zwar nie getroffen. Das ist erstaunlich, denn sonst trifft man die ja überall an.
image
image
Der erst 2011 fertig gestellte Fernsehturm Sky Tree ist 634 m hoch und meines Wissens das zweit höchste Gebäude der Welt. Ich wollte eigentlich auf die obere Plattform, die Wartezeiten von 1.5 Stunden für ein Ticket und den Aufzug, weckten mir jedoch die Erinnerungen an Huangshan wieder und ich vergass die Idee schnell wieder.
image
Stattdessen ging ich noch kurz in den Zoo. Dort gab es u.A. Pandabären zu sehen. 🙂
image
image
Am letzten Tag vor meinem Abflug nach Hanoi regnete es in Strömen. Eine gute Gelegenheit also noch kurz einen Besuch im Museum für Naturwissenschaften zu machen. Natürlich war der 2-stündige Besuch zu knapp um alles zu sehen, denn das Museum zählt über 3.5 Mio. Exponate über die Tierwelt, Technik, japanischer Geschichte, usw. Eine spezielle Attraktion des Museums war eine Weltkugel im Masstab 1:1 Mio. in welcher verschiede 360º Grad Filmvorführungen über die Entstehung der Erde und über das Leben im Meer gezeigt werden. Generell sind hier auch viele Einrichtungen und Experimentier-Labors für Kinder zu finden, um die das Wissen auf spielerische Art zu vermitteln. Die Eintritsspreise der Museen in Japan sind allgemein nicht so hoch. Für dieses Museum hier habe ich z.B. 600 Yen (entsprich etwa 5.50 Fr) bezahlt. Generell habe ich Japan, ganz im Gegensatz zu den vielen Vorwarnungen, die ich bekommen habe, gar nicht so teuer empfunden. Der Yen ist halt z.Zt. sehr tief zum SFr bewertet. Bei den Übernachtungen muss man halt etwas sortieren. Die Übernachtungen in Hotels können schon ziemlich teuer sein. Ich hatte in meinen preisgünstigen Hostels und Ryokans immer genügend Komfort und es war immer sehr sauber.

Takayama

Nachdem ich bisher vorwiegend Städte in Japan gesehen habe, möchte ich nun noch mehr von der ländlichen Seite erfahren. Deshalb entschied ich mich für 2 Tage nach Takayama zu gehen. Japan ist vor allem an der östlichen Küste durchgehend ziemlich dicht besiedelt und bietet eigentlich nicht gerade ein umwerfendes Landschaftsbild. Die Mitte des Landes ist vorwiegend von bewaldeten Gebirgslandschaften geprägt. Takayama ist ein kleines traditionelles Städtchen ziemlich zentral in Japan gelegen. Die dreistündige Zugfahrt von Kyoto dort hin führt durch imposante Landschaften entlang von Flüssen bewaldeten Hügeln. Da der Ort auf ca. 600m liegt war es dort auch schon deutlich kühler. Im Stadtkern befinden sich schmale Strassenzüge mit historischen alten Holzhäuser, die als Souveniershops für Touristen oder Restaurants dienen. Ausserhalb der Stadt gibt es ein Freilicht-Museum zu besichtigen, wo ein traditionelles Bergdorf nachgebaut wurde und die früherige Lebensweise der Bergbevölkerung zeigt.
image
image
image
image
image
image
image
image
image
Altes nachgebautes Bergdorf als Freilicht-Museum
image

Kyoto

Kyoto ist auf Grund der vielen Tempel und Schreine eine  sehr traditionelle Stadt und gilt als das kulturelle und historische Zentrum Japans. Einige der Bauwerke wurden als UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Dementsprechend zieht es auch viele Touristen hierher. Ich traf mich hier mit Oda wieder, einer der japanischen Studenten, welche ich in der Transsib von Moskau nach Irkutsk kennengelernt hatte. Er und sein Kollege Hinä zeigten mir den historischen Stadtteil Gion und erklärten mir stolz die Hintergrundinfos zu den Buddhistischen Tempel. Für mich war das natürlich eine sehr willkommene Reiseführung.
image
Kyoto Tower
image
image
image
image
image
image
Geburtstagsessen mit japanischen Freunden. Sushi natürlich. Nachher gings noch zum Karaoke…

Am nächsten Tag zog ein starker Taifun an der Ostküste Japans vorbei und es regnete den ganzen Tag. Somit fiel auch die geplante Entdeckungstour mit dem Fahrrad buchstäblich ins Wasser. Nach dem x-ten Tempel zeichnete sich bei mir sowieso langsam eine Sättigung ab. Obwohl sie alle sehr schön sind. Es ist auch schön sich einfach im Tempel hinzusetzen und die Leute bei ihren Ritualen zuzuschauen. Fotos vom Innenbereich sind nicht erlaubt und die Schuhe müssen vor dem Betreten ausgezogen werden.
image
image

Meine Übernachtungen in Kyoto und in Osaka waren in einem sog. Ryokan. Das sind im traditionell japanischen Stil eingerichtete Hotels. Ich wollte das unbedingt erleben. Normalerweise sind die Ryokan, welche auf Touristen ausgerichtet sind eher teuer, jedoch findet man auch sehr günstige ohne den ganzen Schnick-Schnack, und die sind vermutlich erst noch authentischer. Im Zimmer hat es jeweils einen kleinen Tisch mit Grüntee. Der Boden ist aus Tatami-Matten (Reisstroh) gemacht. Auch in den Hotels werden die Schuhe am Eingang immer ausgezogen und man kriegt Hausschuhe. Vor dem Betreten des Zimmers zieht man dann selbst die Hausschuhe aus. Für den Toilettenbereich stehen wiederum neue Schuhe bereit. Einheitsgrösse 39 :-/ Die Japaner sind hier sehr strikt und sauber. Der Zugang ins Zimmer erfolgt lediglich mit einer Schiebetüre und schlafen tut man auf einem Futon auf dem Boden. Das klingt jetzt etwas rustikal, ist aber sehr gemütlich und im typischen Ambiente.
image
image
image
Das Ryokan in Kyoto hatte sogar einen eigenen Koy-Teich im Eingangsbereich.

Nagoya

Während dem Formel 1 Weekend hatte ich 2 Übernachtungen im ca. 70 km entfernten Nagoya. Ich liess es mir nicht nehmen am Sonntag Morgen vor dem Rennen noch das Toyota Industrial & Technology Museum zu besuchen. Das Museum ist in zwei Themenbereiche unterteilt. Der erste Teil widmet sich den von Mr. Sakichi Toyoda entwickelte Maschinen zur Baumwollverarbeitung. An den laufenden Maschinen zeigen die Museumsbetreiber die verschiedenen Schritte der Baumwollenverarbeitung. Sein Sohn Kiichiro Toyoda hat sich dann dem Automobilbau gewidmet und später den Konzern Toyota Motor Corperation gegründet. Diesem ist der zweite Teil der Ausstellung gewidmet. Es werden die Produktionsmaschinen der Automobilherstellung gezeigt und auch die Entwicklung der Toyota Fahrzeuge und die an ihnen verwendeten Technologien erklärt. Beide Themen waren äusserst interessant. Dieses Wochenende war also ganz dem technischen Aspekt gewidmet, welcher in Japan auch eine zentrale Rolle spielt.
image
Spiral Tower
image
image
image
image
Eine Sulzer Webmaschine steht auch noch da

image
image
image
Der gute alte Celica…

Formel 1 in Suzuka

Da ich am Montag Geburtstag habe und mir hier wohl niemand einen Geburtstagskuchen backen wird, habe ich mir gedacht mir selbst ein Geburtstagsgeschenk zu machen. 😀
Und zwar gehe ich mir die Formel 1 in Suzuka ansehen, wenn die F1 gerade schon dieses Weekend in Japan ist. Natürlich habe ich das bereits Monate im voraus geplant und organisiert. Die Rennstrecke in Suzuka war immer meine Lieblingstrecke, als ich noch aktiv gefahren bin (Grand Prix ll 😉 ). Hier konnte ich auch als grosser Fan während der Schumacher Ära die grössten Triumpfe und dramatischen Momente seiner Karriere mitverfolgen. Und jetzt bin ich selbst hier. Unglaublich!
Das Rennen war ein Spektakel. Da ich einen Weekend-Pass hatte, sah ich am Samstag bereits das Qualifying und am Sonntag das Rennen. Von meinen Tribünenplatz hatte ich einen guten Überblick auf eine langegezogene Schikane. Und Sauber sammlte endlich wieder mal wohlverdiente Punkte. Verglichen mit einem vor Jahren besuchten F1-Rennen in Monza, war dieser Event perfekt organisiert. Trotz den vielen Zuschauer gab es hier weder Gedränge noch irgendwelche Wartezeiten. Es hatte genügend Toiletten und viele Stände mit asiatischen Köstlichkeiten. Der Abfall wird an den Recycling Container minutiös getrennt, hier wird nichts weggeworfen. Bei uns nicht vorstellbar.
image
image
image
Fahrerparade
image
… Streckenpostenparade
image
Japanische Fans
image
Schweizer Fan
image
Sicht von der Tribüne
image
Torro Rosso
image
Ferrari
image
Porsche Cup
image

Das glaubt mir sonst keiner: kein bisschen Abfall weit und breit

Hiroshima

Hiroshima war meine nächste Station, wo ich drei Übernachtungen vorgesehen habe. Von Osaka nach Hiroshima reise ich innerhalb 90 min. mit dem Shinkansen, das ist der Hochgeschwindigkeitszug, welcher auf einer Hauptachse durch ganz Japan verkehrt und somit die grossen Städte miteinander verbindet. Dieser Zug schlägt nun alles bisher gesehene in Sachen Komfort und Sauberkeit. Er hält am Perron zentimetergenau an der markierten Stelle, so dass die Passagiere genau wissen, wo sie für welchen Wagen anstehen müssen. Im Zug nimmt man kaum Geräusche war, Handys werden auf lautlos gestellt und die komfortablen Sitze machen den Eindruck als würden sie zum ersten mal gebraucht. Es gibt offensichtlich auch hier eine 1. Klasse, die macht aber nicht viel Sinn, da hier die 2. Klasse unserer 1. Klasse entspricht bzw. sie übertrifft. Unsere SBB dürfte sich hier gerne mal inspirieren lassen, wie Bahnreisen auch noch sein könnte.
image
image
image

Auf Hiroshima wurde ja bekanntlich vor rund 70 Jahren die erste Atombombe abgeworfen. Ich habe hier das Friedensmuseum besucht. Dieses zeigt in eindrücklicher Art und Weise warum es soweit gekommen ist und welche Auswirkungen dies auf die Bevölkerung der ganzen Region mit sich gebracht hat. In der Ausstellung werden die historischen Zusammenhänge neutral erklärt, aber auch eine klare Botschaft für Weltfrieden und nuklearer Abrüstung vermittelt. Der Besuch diese Museums ist sehr informativ und hat mich sehr bewegt. Unweit daneben im Peace Memorial Park stehen die Überreste eines ehemaligen Fabrikgebäudes, über welchem die Bombe detornierte. Dieses Gebäude hat auf Grund der stabilen Bauweise einigermassen standgehalten, während alles Andere im Radius von 2 km dem Erdboden gleich gemacht wurde. Das Gebäude wurde seither als Mahnmal stehen gelassen.

image
Peace Memorial Museum
image

Die Stadt hat aber noch viel anderes zu bieten. Hier ein paar Eindrücke:
image
image

Hiroshima Castle

In Japan stösst man immer wieder auf wunderschöne Gartenanlagen, wie hier der Sukkei-en Garten als Oase mitten in der Stadt. Im Teich schwimmen Koy-Fische und Wasserschildkröten. Hier findet man angenehme Ruhe. Allgemein ist es in Japan viel ruhiger und gesitteter als in China.
image
image

Unweit der Stadt befindet sich die Insel Miyajima. Dieser Ort ist bekannt durch den imposanten roten Torii (Tempeltor), welcher im Meer steht und bei Ebbe vollends aus dem Wasser ragt. Torii sind Shinto-Bauwerke und markieren den Eingang zum Schrein (Shinto-Tempel).
image
image
image
Zahme Rehe laufen hier im Dorf herum
image

Auf der Insel gibt es auch einen Berg. Hier habe ich mit deutschen Kollegen eine tolle Wanderung auf den Mt. Misen gemacht.
image
image
image
Anschliessend gabs Okonomiyaki – traditionelle Japanische Spezialität

Auf meiner Weiterfahrt nach Nagoya habe ich einen Aufenthalt in Onomichi eingeplant. Hier beginnt die 70km lange Überfahrt auf die östlich gelegene Insel Shikoku. Diese verläuft über lange Brücken zwischen kleinere vorgelagerte Inseln. Dieses Gebiet eignet sich gut für eine Velotour, da diese Überfahrt auch mit dem Fahrrad auf gut ausgebauten Radwegen zurück gelegt werden kann.
image
image
image
Hier konnte ich wieder mal einem meiner Hobbys frönen. 🙂

Kon-ni-chi-wa Nippon (Osaka)

Der Flughafen Kansai Osaka befindet sich auf einer künstlichen Insel auf dem Meer. Mit dem Zug erreicht man die Innenstadt Osaka Mamba mit einer 70 minütigen Fahrt. Ich werde mich in den nächsten 12 Tagen vorwiegend wieder per Zug fortbewegen. Als Ausländer hat man hier die Möglichkeit einen 1, 2 oder 3 wöchigen Freipass für die JR Bahnen (Japan Railways) zu erwerben. Dieser muss im Vorfeld in der Schweiz als Voucher gekauft werden und kann dann hier vor Ort mit dem Vorweisen des Reisepass eingelöst werden. Damit kann man dann auf den meisten Bahnlinien ohne weitere Zusatzkosten frei herumfahren. Das hat alles bestens funktioniert. Die Japaner sind hier extrem gut organisiert. Trotzdem hat es mich zu Beginn einige Zeit gekostet, mich mit dem ganzen Bahnsystem und der Ausschilderungen zurecht zu finden. So kam ich leider erst recht spät im Hotel an. Japan begrüsste mich zu meiner Freude mit einem angenehm schwülen Klima mit gefühlten 30 Grad.
Um mir die Zeit in Japan so effizient wie möglich zu gestalten, habe ich mir zwischenzeitlich einen etwas konkreteren Reiseplan ausgearbeitet. Denn ich habe realisiert, dass das Reisen mit dem ganzen Gepäck an einen anderen Ort sehr ermüdend und zeitraubend ist, und dies auf Kosten vom Sightseeing geht.  Darum habe ich mich für ein paar wenige Hotspots entschieden und habe eine Liste mit konkreteten Sachen, welche ich sehen und erleben will erstellt. Man muss sich von manchmal von dem Gedanken trennen möglichst alles sehen zu wollen.
In Osaka habe ich eigentlich gar nicht so viel Erwartungen gehabt, denn ich wollte hier einfach meine erste Übernachtung nach dem Flug festlegen. Trotzdem war ich extrem erstaunt, was ich hier alles vorfand. Im Stadtteil Namba, in welchem meine Unterkunft in einem Ryokan liegt, war richtig was los. Überall beleuchtete Beizen und Shops, buntes Treiben bei toller Atmosphäre. Natürlich musste ich da gerade wieder auf die Piste 🙂

image

image

image

Osaka ist bekannt für Shoping. Wie hier z. B. die kilometerlange Shin-Shi-Bashi Strasse. Hier gibt es alle zu finden.

image
Sehr beliebt sind bei Japaner die Manga Comics. Manga ist ein eigener Zeichnungsstil. Man erkennt ihn gut an der typischen Darstellung der Figuren mit ihren grossen Augen. Die Bücher werden hier übrigens umgekehrt, also von rechts nach links gelesen.

image
Man findet hier vieler solcher schmucken Beizen. Das Essen: Ein Traum!

Fazit China

China ist ein faszinierendes Land. Ich habe in den 11 Tagen extrem viel gesehen und erlebt. Mir ist bewusst, dass man hier auf Grund der Grösse des Landes noch viel längere Zeit hätte verbringen können und ich eigentlich nur an der Oberfläche gekratzt habe. Trotzdem habe ich einen guten Eindruck über Land und Leute bekommen. Dass die National-Feiertage genau während meinem Aufenthalt waren war ein riesen Pech. Es wundert mich, dass man mich im Reisebüro nicht darauf aufmerksam machte. Offensichtlich fehlt es hier noch etwas an der China-Expertise. Der Auflauf der Menschenmengen war für mich mühsam und anstrengend. Es hat mein Bild von China aber nicht eingetrübt, denn ich sehe es einfach als eine Seite, die auch zu China gehört und die ungeheure Bevölkerungsmasse des Landes aufzeigt.
Meine Begegnungen mit den Menschen war sehr positiv. Sie sind sehr aufgeschlossen, hilfsbereit und machen mir einen zufriedenen Eindruck. Ich glaube die Chinesen fühlen sich sehr frei in ihrem Denken und Handeln. Auch Bettler sieht man angesichts der Grösse der Städte kaum. Vorher eröffnet man hier einen eigenen Lebensmittelverkaufsstand, bevor man betteln geht. Es war für mich oft schwierig zu verstehen, wie sie organisiert sind. Im Strassenverkehr herrscht meist der Vortritt des Stärkeren, Fussgänger überqueren überall die Strassen, Lichtsignale werden weitgehend ignoriert (die hätte man sich hier auch sparen können). In der Metro sind zwar Pfeile am Boden, welche signalisieren, dass man seitlich der Türen warten und die austeigenden Passagiere zuerst aussteigen lassen soll. Für uns selbstverständlich, hier unmöglich. Aber trotzdem scheint hier alles irgendwie zu funktionieren. Die Züge waren immer sauber und extrem pünktlich, Unfälle im Strassenverkehr habe ich keine beobachtet und die Kriminalität ist tief, so dass ich mich auch nachts ohne Bedenken bewegen kann.
Was eine Zeitbombe sein wird ist die Gewässer- und Luftverschmutzung. In Shanghai ist das offensichtlich ein weniger grosses Problem als in Peking. Da bin ich gespannt, ob sie das jemals in den Griff kriegen werden. Zumindest fahren heute bereits die meisten Roller mit Elektroantrieb herum. Mir erzählte ein Chinese, dass in Xian auch eine extrem schlechte Luftqualität herrsche und viele Leute nun deswegen einfach in eine andere Stadt ziehen.
China befindet sich immer noch in einem rasanten Veränderungsprozess. Es bekommt immer mehr zu einem der einflussreichsten Länder für weltpolitische und wirtschaftliche Angelegenheiten. Das Umweltproblem müssen sie aber lösen, sonst ziehen sie sich vorher selber den Teppich unter den Füssen weg. Ich werde die Weiterentwicklung auf jeden Fall weiter mitverfolgen…
image

image

image

image

Shanghai

Die Hafenstadt Shanghai ist mit 25 Mio. Stadtbewohner wohl die grösste Stadt Chinas. Nördlich der Stadt mündet der über 6400 km lange Jangtse Strom ins Meer. Shanghai ist im Gegensatz zu Peking eher eine moderne Geschäftsstadt. Im neueren Stadtteil Pudong türmen sich die Wolkenkratzer. Der Shanghai Tower, welcher sich noch bis 2014 im Bau befindet, wird mit einer Höhe vom 632 m wieder eine neue Rekordmarke der Shanghai Skyline setzen. Imposant wird die Skyline erst richtig, wenn es dunkel wird und die Lichter der Stadt angehen. Vom Bund, der Uferpromenade des Huangpu-Fluss, oder noch besser auf einer nächtlichen Schiffstour auf dem Fluss kriegt man einen tollen Anblick auf die Skyline.
image
Das Shanghai World Finacial Center (Flaschenöffner / 492m), der Jin Mao Tower (420 m) und der bald fertig gestellte Shanghai Tower (632 m).
image
Der symbolische Oriental Pearl Tower (468 m).
image

image

image

image

image

image

Es gibt hier aber auch ein altes Stadtviertel (Puxi), in welchem noch viele alte Holzhäuser stehen. Die prominente Shoping-Meile von Shanghai ist die Nanjing Road. Diese war zu der Zeit als ich da war völlig überfüllt.
Insgesamt war ich nur 2 gute Tage hier in Shanghai, denn es war sozusagen der Ausgangspunkt für den Ausflug nach Huangshan. Als ich vom Huangshang Gebirge zurück kam, machten sich zum ersten mal Erschöpfungserscheinungen bei mir bemerkbar. Der wenige Schlaf der letzten Tage, die vielen Leute, die Kilometer zu Fuss und die ununterbrochene Flut von neuen Eindrücken haben mich müde gemacht und ich musste einfach mal einen Tag richtig ausschlafen und neue Energie tanken. 🙂
image
Nanjing Road – hier war man nicht alleine 😉
image
Die Nanjing Road bei Nacht

image
image
Yuyuan-Quartier in der Altstadt
image

Der Internationale Flughafen Shanghai Pudong, von dem ich meinen Abflug nach Japan hatte, liegt eine gute Stunde ausserhalb der Stadt. Auf dem Weg dort hin erwartete mich ein weiteres Zückerchen, welches ich mir als Technik-Freak nicht entgehen liess. Vom Stadtrand her kann man statt der Metro auch die Magnetschwebebahn Maglev zum Flughafen benützen. Diese wurde von Deutschland entwickelt und befindet sich immer noch in einem Pilotbetrieb, um Erfahrungen für einen möglichen weiteren Ausbau zu sammeln. Die Maglev beschleunigt in den Stosszeiten auf der 30 km langen Strecke auf 430 km/h und bremst danach wieder ab. Bei mir war offensichtlich keine Rushhour, die Bahn war praktisch leer und ich musste mich mit 300km/h begnügen. Schade, ich wäre gerne mal 430 Sachen zum Flughafen gebrettert. Aber das Erlebnis wars wert und dafür auch noch ein bisschen länger.
image

Suzhou

Auf dem Rückweg von Huangshan nach Shanghai entschied ich mich bereits etwas früher den Zug zu verlassen, um mir Suzhou anzusehen. Suzhou (man spricht das irgendwie aus wie ‚Schuschuu‘) ist eine Stadt nordwestlich von Shanghai, welche (zumindest die Innenstadt) aus trationellen Bauten, Tempeln und durchquerende Kanälen besteht, und daher auch Venedig des Ostens genannt wird.

image

image

image

image

image

image

image

Immer wieder sieht man Heiratspaare, welche sich für aufwändige Foto-Sessions in Pose setzen. Fotos scheinen für die Chinesen generell von zentraler Bedeutung zu sein.

image

Hühnerfüsse sind nach wie vor eine beliebte Delikatesse. Wie es schmeckt, verrate ich nicht 😀

Huangshan Gebirge

Tja, der Ausflug in die Huangshan Berge, oder Yellow Mountains, wie sie in Englisch genannt werden, das war vielleicht eine Geschichte! Wie kam ich dazu? Vor einigen Monaten während der Vorbereitung meiner Reise stiess ich per Zufall im Google Earth auf eines der Bilder dieser spitzigen Bergen, mit Nebel umschwungen und knorrigen Kiefern bestückt. Davon war ich sehr angetan und ich sagte mir, da will ich hin! Ich investierte einige Zeit und recherchierte, wo sich die Berge genau befinden und was für Möglichkeiten es gibt, um dorthin zu kommen. Der Ort liegt etwa 600 km südwestlich von Shanghai. Für chinesische Verhältnisse also einen Katzensprung. Es gab auch ein von der Schweiz her arrangierter Ausflug dorthin, welcher ich hätte buchen können, dieser war mir aber viel zu teuer. Also legte ich im Vorfeld das Datum fest und buchte den Nachtzug von Shanghai nach Huangshan übers Internet. Als Ausländer kann man das über eine Agentur im Internet machen. Die Zugtickets sind hier immer auf einen Ausweis gebunden, somit muss man bei der Bestellung vom Ausland eine Kopie des Passes mitschicken. Die Zugtickets habe ich mir dann an mein Hotel in Peking ausliefern lassen. Alles hat bestens funktioniert, bis auf eine Kleinigkeit. Für den Hinweg konnte man mir leider keinen Platz im Schlafwagen sichern. Mangels Alternativen habe ich mich dann halt für einen Platz im normalen Sitzabteil entschieden. Die 12-stündige Fahrt dorthin war dann auch entsprechend mühsam. Ich habe kaum geschlafen. Der Zug war auch komplett voll. Dies gab mir schon eine vermutende Vorahnung, was sich hier anbahnte. Ich wusste ja, dass am 1. Oktober der chinesische Nationalfeiertag ist. Was ich aber nicht wusste, ist dass die Tage danach bis zum kommenden Wochenende in ganz China Public Holidays sind und alle Chinesen in irgendwelche Städte oder andere beliebte Ausflugsziele reisen. Das habe ich bereits in Shanghai in Form von komplett überfüllten Strassen und Metrostationen zu spüren bekommen. Das Ausmass dieses Umstands kann man sich kaum vorstellen.
Am nächsten Morgen in Huangshan angekommen, musste ich nochmals eine Stunde Busfahrt auf mich nehmen, der einem in die Scenic Area bringt. Dort herrschte bereits grosses Verkehrschaos. Unzählige Kleinbusse und Reisecars stauten sich vor dem Ortseingang. Danach musste ich meine Herberge kontaktieren, damit sie mich abholen kommen. Das hiess, nochmals durch das Verkehrchaos durch. So verflog die Zeit mit Transport- und Wartezeiten, dabei wollte ich eigentlich bereits heute in die Berge. Aber dazu brauchte es nochmals eine erneute Busfahrt, welche einem an die Luftseilbahn brachte. Dort war ich dann erst um gegen 15:30 angekommen. Ich entschied mich auf Grund der fortgeschrittenen Tageszeit nicht mehr die Gondel zu nehmen, sondern einfach mal den Fussweg nach oben in Angriff zu nehmen. Doch das machte kein Spass, denn der ganze Menschenstrom kam mir entgegen und man kam kaum forwärts. Frustriert und todmüde kehrte ich in meine Unterkunft zurück. Gesehen habe ich nichts ausser abertausende chinesische Touristen. Wayne, der Betreiber der Lodge, munterte mich mit einem feinen Essen und einem kühlen Bier wieder auf. Er ist zwar Chinese, lebte aber lange in den USA, so hatten wir uns einiges zu erzählen. Er sagte mir, dass sich nun während den Feiertagen rund 10 mal so viel Leute in diesen Bergpfaden rumtummeln als sonst, es dürften gegen die 50 Tausend sein. Damit ich am nächsten Tag dann doch noch etwas von der Szenerie mitbekomme, schlug er mir einen Plan für den nächsten Tag vor. Dies hiess dann um 4 Uhr aufstehen, frühstücken, Transport zum Busterminal, Anstehen für Ticket, Busfahrt zur Seilbahn, Anstehen für Ticket, Anstehen für Seilbahn, usw. Für die Seilbahn bin ich glatte 3,5 h angestanden. Ich war ein paar mal kurz davor die Übung abzubrechen, denn das Gedrängle und das laute Geschrei der Chinesen war einfach nur mühsam und nervig. Ich hielt aber durch und schaffte es bis 10 Uhr nach oben. Endlich! Ich habe es geschafft. Auch dort war das forwärts kommen auf den teils schmalen Pfaden nur im langsamen Tempo in den Menschen Kolonnen möglich. Aber mit dem einzigartigen Panorama und dem prächtigen Wetter was sich dort präsentierte, vergass ich die vergangenen Stunden und genoss jede Sekunde. Auf dem ersten Gipfel angekommen sagte ich mir, wenn ich im vorherein gewusst hätte, wie mühsam sich dieser Weg hier her gestalten würde, hätte ich das nie und nimmer gemacht, aber jetzt bin ich hier. Und ich erinnerte mich an Bernhard’s Worte: It’s once in a lifetime! Und das war es wirklich.
Um 12 Uhr musste ich bereits wieder den Rückweg ins Tal einschlagen, damit ich es wiederum rechtzeitig auf den Nachtzug schaffe. Somit habe ich leider nur einen kleinen Teil dieses Gebiets gesehen, aber es war trotzdem genial. Was für ein Tag!

image

Anstehen ohne Ende..

image

Seilbahn zu den Gipfel
image
Endlich oben!
image

image
Manchmal brauchte es Gottvertrauen in die chinesische Baukunst
image

image

image

image

Peking

In Peking hat es mir sehr gut gefallen. Man erlebt hier das traditionelle China, wie man es von den Bilder her kennt. Um mein Hotel zu finden musste ich mir zuerst von einem Tourist-Office die englische Adresse des Hotels auf Chinesisch übersetzen lassen. Ansonsten hat man keine Chance. So konnte ich nach verlassen der nächst gelegenen Metrostation immer wieder Leute nach dem Weg fragen. Die Leute sind hier extrem hilfsbereit, auch wenn man gegenseitig kein Wort versteht. Ich bin schon vor Monaten im Internet auf dieses Hotel gestossen, welches im traditionellen Stil gebaut und eingerichtet ist. Ich war also sehr gespannt. Es liegt im Stadtteil Dongsi. Dieses Viertel ist bestückt mit allerlei kleinen Strassenläden, Coiffeur Salons und Restaurants. Und das Hotel ist wirklich der Hammer. Es liegt versteckt in einer der zahlreichen schmalen Seitengassen. Nicht schlecht gestaunt habe ich, als mich ein Beo bei der Eingangspforte mit „Ni Hao“ begrüsste. Dass er nich gerade noch Hello Mr. Gartner krächtste, hätte mich nicht mehr gewundert 😉
Hier noch ein paar Impressionen von diesem Hotel. Dieses kann ich nur weiter empfehlen, das Personal ist super freundlich, das Essen ist sehr gut, und teuer ist es auch nicht.

image

image

image

image

In den vier Tagen hier habe ich mich weitgehend an die Touristenattraktionen begeben, hatte mir aber auch Zeit genommen einfach durch die Gassen und Parkanlagen zu gehen und Sachen zu entdecken. Hier hätte ich noch viel mehr Zeit verbringen können, denn es gibt so viel Interessantes zu sehen.

image

image

image

image

Wie man auf den Fotos unschwer erkennen mag, liegt in dieser Stadt ein unglaublicher Smog. Manchmal sah man keine paar hundert Meter weit. Sicherlich war da auch noch ein bisschen Dunst dabei, aber es ist schon bedenklich.

image

Eigentlich wäre schönes Wetter gewesen, aber die Sonne kommt nicht durch den Smog.

image

An das Essen mit Stäbchen habe ich mich bereits gewöhnt und die wichtigsten Knigge für China gelernt (wie z.B. die Stäbchen nach dem Essen nicht im Reis stecken lassen). Manchmal war ich mir auch nicht mehr ganz sicher was ich esse, geschmeckt hats aber immer. Die Chinesen haben für unser Verständnis eher schlechte Manieren. Es wird gedrängelt, geschubst und überholt beim Anstehen (das vor allem von Frauen) und immer wieder lautstark auf den Boden gespuckt (das vor allem von den Männern). Und beim Essen werden alle mögliche Laute von sich gegeben. 🙂

In der Parkanlage vom Himmelstempel versammeln sich die Leute und spielen Brettspiele, Singen, Tanzen oder machen Tai-Chi. Ein älterer Mann jonglierte mit Stoffringen. Weil ich ihm zuwinkte warf er mir aus einiger Distanz einen Ring zu, den ich spontan fing. Das hat ihm gefallen und er warf mir einen nach dem anderen zu. Und ich fing sie mit dem Kopf auf. Immer mehr schaulustige Chinesen versammelten sich um uns herum und applaudierten bei jedem gefangenen Ring. Am Schluss der Vorstellung war ich von einem Dutzend Chinesen umgeben und jeder wollte von mir ein Foto haben. Das waren ein riesen Gaudi.

image

image

Es passierte mir auch, dass ich von den Chinesen angesprochen wurde (nur Damen natürlich 😉 um mit mir als Sujet auf einem Foto zu posieren. Da kommt man sich als Europäer manchmal schon vor, als käme man von einem anderen Planeten.
image

Ein weiteres Highlight war die Chinesische Mauer, oder The Great Wall. Ich buchte einen Ausflug zu einem Abschnitt bei Jinshanling, welcher etwas weiter von Peking entfernt liegt und daher nicht so mit Touristen überlaufen ist. Die drei stunden Fahrt an diesen Ort sind es auf jeden Fall wert. Dort gibt es einen  vor ca. 30 Jahren restaurierten Teil, sowie einen alten im 1570 restaurierten Teil der Mauer zu sehen. Erstellt wurde dieser Abschnitt 1368-1389 in der Ming Dynastie. Man konnte hier 3,5 h frei auf der Mauer herum wandern. Teilweise waren die Aufstiege ganz schön steil. Die Sicht war leider auch hier sehr eingeschränkt, jedoch gab es dem Ganzen einen etwas mystischen Touch. Das hat mir sehr gefallen.
image
image

image

image

Heute ist der 1. Oktober und Nationalfeiertag in China. Jetzt wo ich den Blog schreibe sitze ich gerade im Hochgeschwindigkeitszug nach Shanghai. Auf diese Fahrt habe ich mich auch schon lange gefreut. Dieser hochmoderne Zug donnert mit 300 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit von Peking nach Shanghai und legt die Strecke von über 1300 km in 4:48 h zurück. Irgendwie ist es wie in einem Flugzeug, das am Boden fährt. Auch die Einrichtung im Wagen, ist wie in einem solchen gebaut. Der Zug fährt pünktlich auf die Sekunde und beschleunigt so sanft, dass man die hohe Geschwindigkeit kaum mitbekommt. Da ist der TGV ein altmodisches Spielzeug dagegen.
image
image
image

Auf dem Weg nach Shanghai fahren wir immer wieder an Städten vorbei, bei denen neue Hochhäuser wie Pilze aus dem Boden schiessen. Irgendwo müssen die 1.2 Mrd. Chinesen ja wohnen. Nanjing zum Beispiel hat einfach mal so 6,2 Milionen Einwohner.
image