Mongolei – Ulaanbaatar

Am Samstag Morgen um 4:45 Uhr ging es dann weiter mit der Transsibirischen Eisenbahn von Irkutsk nach Ulanbaatar, oder Ulan Bator, wie die Hauptstadt der Mongolei heute auch genannt wird. Im Zug traf ich dann wieder die beiden Schweizer Mark und Gabriel, welche ich schon vor zehn Tagen von Moskau her kennen lernte und wir teilten uns wieder die Kabine noch mit Nina einer weiteren Schweizerin. Sofort wurden die Erlebnisse der vergangenen Tage ausgetauscht. Alle von uns sind am Anfang einer 3-6 monatigen Reise. Wir werden unsere Trips auf jeden Fall gegenseitig weiterverfolgen. Die Fahrt verlief während den nächsten paar Stunden alles dem Seeufer des Baikalsees entlang. Es sollte eine der schönsten Streckenabschnitte sein, da es aber stürmte und regnete, lag ich mich besser nochmals ein bisschen aufs Ohr, denn man verpasste nicht viel. Nach Ulan-Ude machten wir einen 2,5 stündigen Stop am Grenzübergang zwischen Russland und der Mongolei. Diverse Grenzpatrolien checkten Gepäck und Papiere, die  Elektrolok wurde durch eine Diesellok ersetzt und ein mongolischer Speisewagen wurde angehängt. Auch die Landschaft änderte sich allmählich. Nach 25 Stunden Fahrt trafen wir Sonntag morgen früh in Ulan Bator ein. Zu Fuss machte ich mich mit meinem spärlichen Map auf die Suche nach meiner Unterkunft.
Über die Mongolei habe ich mir im Vorfeld kaum etwas Konkretes vorstellen können. Umsomehr wurde ich in den nächsten Tagen von allem Möglichem überrascht. Erst mal durch das Wetter. Wiederum fand hier genau jetzt ein Temperatursturz statt und es begann sogar leicht an zu schneien. Dabei lagen die Temperaturen nur wenige Tage zuvor noch bei 20º Grad. Aber mit jedem weiteren Tag wurde es dann sonniger und wieder wärmer. Ulan Bator liegt auf 1400 m ü. M. und ist die Hauptstadt mit den tiefsten Jahresdurchschnittstemperaturen.

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Die Mongolen sind ein kurliges Völkchen. Irgendwie sehen sie aus wie braungebrannte Chinesen, sind eher kleinwüchsig, und immer wieder zu Spässchen aufgelegt. Bloss 2,4 Milionen  Einwohner besiedeln das riesige Land, die hälfte davon wohnt in Ulan Bator. Zu meinem Erstaunen sprechen sie hier in der Stadt sehr gut Englisch. Heute können sie sich in der Schule zwischen Russisch und Englisch als Fremdsprache entscheiden und praktisch alle würden sie Englisch wählen. Auch mit den Chinesen sprechen sie Englisch, denn die mongolische Sprache hat nichts weder mit Chinesisch noch mit Russisch zu tun. Sie verwenden lediglich die kyrillische Schrift. Wenn man als Europäer durch die Stadt läuft, wird man immer wieder angeschaut und gemustert. Die mongolischen Kinder sind mega herzig. Oft ruften sie mir „Hello“ zu, und mussten kichern, wenn ich Hello zurück rief.

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In Ulan Bator wird gebaut, was das Zeug hält. Seit dem Zerfall der Sowjetunion, ist die äussere Mongolei ein eigener Staat und der jahrelange Sparkurs unter der kommunistischen Führung wird jetzt nachgeholt. Die Leute haben einen eigenen Pass erhalten und dürfen seither wieder in Ausland reisen. Natürlich geht dieser Prozess nicht ganz ohne Probleme. Immer mehr Nomaden wollen in der Stadt wohnen und ziehen mit ihren Jurten an den Stadtrand. Da die Jurten alle noch mit Kohle oder Holz beheizt werden, entsteht hier über der Stadt eine dunkle Smog-Wolke. Darum werde jetzt sehr viel neue Wohnungen erstellt. Die Preise steigen aber sehr schnell an, so dass sich viele eine Wohnung in einem Wohnblock gar nicht mehr leisten können. Die Veränderung in die freie Marktwirtschaft geschah auch sehr schnell. Das Land ist reich an Rohstoffen. Diese werden nun von ausländischen Firmen abgebaut und das Geld fliesst in die Hände einzelner Politiker und Unternehmer.

Besonders gut gefallen hat mir das Gandan Kloster, das Buddhistische Zentrum der Mongolei. In dieser Anlage befindet sich  neben den Gebetstempel auch eine Lamaistische Hochschule. Inmitten der Buddhistischen Mönchen, Touristen und Tauben, possierte auch ein Heiratspaar. Der Buddhismus war hier früher sehr stark verbreitet. 1937-38 wurden aber praktisch alle der 750 Klöster von der kommunistischen Regierung verbrannt und tausende von Mönche hingerichtet. Die Buddhistische Kultur wurde weitgehend ausgemerzt. Man hatte Angst, dass die Mönche durch ihre Verankerung in der Gesellschaft zuviel politischen Einfluss nehmen könnten. Seit Anfang der neunziger Jahre herrscht hier wieder Glaubensfreiheit und der Buddhismus, wie auch der Schamanismus florieren wieder.

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