Transibirische Eisenbahn

Mein Zug Nr. 4 sollte um 21:35 vom Bahnhof Jaroslavsky losfahren. Es gibt mindestens 6 Bahnhöfe in Moskau für die Bahnverbindungen in alle Richtungen. Ich rechnete mal eine Stunde Reserve für Unvorhergesehenes ein, denn ich musste den Bahnhof auch noch finden und man weiss ja nie, was noch alles dazwischen kommt. Ich war schon ganz nervös. Wie wird der Zug in Echtheit aussehen? Wieviele Leute werden dort warten? Wie wird das ganze ablaufen? Das kyrillisch habe ich mittlerweile im Griff und ich konnte den Zug  und Gleis auf der grossen Abfahrtstafel am Bahnhof entnehmen. Der Zug fuhr schliesslich 15 min. vor Abfahrt ein. Er war mit 16 Wagen bestückt. Beim Einsteigen entnimmt der Bahnbegleiter als erstes dein Ticket und zeigt dir die Kabine. Das Ticket erhält man beim Verlassen des Zugs wieder. Kaum in der Kabine, steigen noch zwei junge Burschen aus der Schweiz zu. So ein Zufall dachte ich zuerst, aber vermutlich wurden alle, welche die Tickets über Globotrain bestellt haben, in die selbe Kabine gebucht. Das war gut so, somit hatte ich gesellige Gesprächspartner und wir konnten uns bereits über unsere Erfahrungen in Moskau, sowie unsere weitere Reisepläne unterhalten. Gabriel und Marc werden die ersten 2 Tage bis nach Omsk mit mir die Kabine teilen und wie wir festgestellt haben, 9 Tage später in Irkutsk wieder auf dem selben Zug wie ich weiterfahren. In der 2. Klasse sind es 4er, in der 1. Klasse 2er Kabinen. Zu unserem Erstaunen war der Zug halb leer. Ich stellte mir im Vorfeld eher ein Riesengedränge und geselliges Treiben vor. Dem war überhaupt nicht so. Es war sehr ruhig. In unserem Wagon waren gerade mal 3 von 9 Kabinen besetzt. Nebenan noch zwei Japanische Stundenten, welche gottseidank English sprachen. Diese waren ganz angetan von der Schwiezer Schokolade, die ich mit ihnen teilte und wollen mich unbedingt in Kyoto wieder treffen. Das Zugpersonal waren ausschliesslich Chinesen. Vermutlich weil der Zug bis nach Peking durchfährt. Englisch konnten sie keines, aber wir konnten uns mit Zeichen aller Art verständigen.
Am nächsten Morgen sah man dann zum ersten mal die bezaubernde Landschaft. Wälder, Wiesen, ab und zu Flüsse die überquert werden und abgelegene Dörfer. Sensationell! Aber auch unzählige zerfallende Fabrikgebäude, verlassene Wohnblöcke und offene Mülldeponien sind zu sehen. Da frage ich mich schon, ob das jemals jemand aufräumen wird? Vermutlich wird das mal ein potentielles Geschäftsmodell für private Firmen werden, aber dafür ist es wohl noch zu früh. Erst durch die tagelange (und nächtliche) Fahrt wird einem bewusst, wie gross dieses Land wirklich ist. Die Landschaft ändert sich ein wenig nach dem Überqueren des Urals bei Jekatherinenburg. Dort verläuft auch die Kontinentalgrenze zu Asien. Die grossen Stationen auf diesem Abschnitt sind Kirov, Perm, Jekatherinenburg, Omsk, Novosibirsk, Krasnojarsk und Irkutsk. Viele davon wurden in der Nacht angefahren, so dass man es u. U. gar nicht mitkriegt.
Der Zug ist eher rustikal eingerichtet. Die Liegen sind hart, das Klo war zwar sauber, trotzdem ist man froh, wenn man es nicht braucht. Toilettenpapier hatte es am ersten Tag, danach wurde kein neues mehr bereitgestellt und es war kalt, vorallem nachts. Aber das ist genau das, was die Transsib ausmacht. Wer weiss, vieleicht wird dieser Zug bald einmal durch einen klimatisierten Luxuszug ersetzt, dann bin ich froh, wenn ich das vorher mal erlebt habe. Während der Fahrt verliert man komplett das Zeitgefühl. Permanent zieht die sibirische Landschaft an einem vorbei. Täglich kann man die Uhr um eine oder zwei Stunden vorstellen, weil man wieder in eine neue Zeitzone gefahren ist. Wenn es dunkel ist, oder wenn man müde ist, geht man schlafen. Am Samstag gegen 5 Uhr morgens nach 5191km und 3.5 Tagen Zugfahrt erreiche ich Irkutsk.
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Russisches Frühstück

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